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Anne-Geneviève Bütikofer ist Direktorin H+ Die Spitäler der Schweiz

Pauschalen für ambulante Leistungen

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Die beste Lösung für die Vergütungen von ambulanten Leistungen sind Pauschalen, die auf reellen Kostendaten der Spitäler und Kliniken basieren.

Die vor rund zwei Jahrzehnten eingeführte ambulante Tarifstruktur TARMED hat aufgrund von Differenzen unter den Tarifpartnern kaum weiterentwickelt werden können. Den Spitälern und Kliniken ist es deshalb heute unmöglich, ihre ambulanten Leistungen kostendeckend zu erbringen – die Unterdeckung beträgt rund 30 Prozent. Dies ist umso dramatischer, weil die Anzahl ambulanter Behandlungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat – im Sinne des politischen Willens und aufgrund des technologischen Fortschritts. Diese Tendenz wird sich in Zukunft noch verstärken.

Pauschalen: transparent und kostensenkend
Damit die Vergütungen der Realität angepasst und gerechter verteilt werden können, braucht es somit neue Ansätze. Und die beste Lösung dafür sind Pauschalen, welche auf reellen Kostendaten der Spitäler und Kliniken basieren. Diese Datenbasis ist zentraler Bestandteil des gemeinsamen Projekts von H+, Santésuisse und der FMCH. Mit Pauschalen für den ambulanten Bereich lassen sich die Unterdeckung in Spitalambulatorien aufheben und missbräuchliche Übertarifierungen verhindern. So kann Geld gespart werden. Pauschalen werden endlich dazu führen, dass die Spitäler und Kliniken aber auch andere ambulante Leistungserbringer ihre Leistungen kostendeckend erbringen können.
Im Gegensatz zum Einzelleistungstarif, der sämtliche Untersuchungen und Behandlungen in einem hohen Detaillierungsgrad umfasst, werden mit ambulanten Pauschalen operative Eingriffe und aufwendige Behandlungen auf einfache und klar verständliche Weise für die Patientinnen und Patienten abgegolten. Mit diesen Leistungspaketen kann im ambulanten Spitalbereich schon bald eine Mehrheit der Leistungen abgegolten werden, je nach Fachgebiet liegt der Anteil bei 70 Prozent oder höher. Wo Pauschalen nicht angemessen sind, werden weitere Tarifelemente, etwa ein Zeit- oder ein Einzelleistungstarif, notwendig sein. Gleiche Operationen, gleiche medizinische Abklärungen und gleiche Interventionen werden pauschal und damit immer gleich vergütet. Zudem setzen Pauschalen die richtigen Anreize für Ärztinnen und Ärzte. Die Pauschalen werden zudem für mehr Transparenz und für einen geringeren administrativen Aufwand als bislang sorgen. Das bedeutet auch: mehr Zeit für Patienten.

Mit der Unterstützung von Bundesrat und Parlament
Um das Kostenwachstum im OKP-Bereich zu bremsen, setzt der Bundesrat ein Kostendämpfungsprogramm basierend auf einem Expertenbericht um. Ambulante Pauschalen sind eine Massnahme des Massnahmenpakets 1 und gleichzeitig die wichtigste.
Das Parlament hat sich eingehend mit der Vorlage befasst und in der Sommersession 2021 grünes Licht für die schweizweite Einführung ambulanter Pauschalen gegeben. Dieser wegweisende Entscheid ermöglicht nun die Ausarbeitung eines Tarifs, der endlich Transparenz schafft, die Kostenentwicklung dämpft und damit auch Kosten für die Prämienzahlenden spart. Nun sind die Tarifpartner am Zug: Mit dem Entscheid des Parlaments verpflichten sie sich, ihre Kompetenzen gebündelt einzubringen, um einen Tarif zu entwickeln, der das hohe Niveau des schweizerischen Gesundheitswesens langfristig sichert. Sämtliche Tarifpartner sind aufgerufen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die es erlauben, dieses Ziel im Sinne der Patientinnen und Patienten, der Ärzteschaft, der Spitäler und der Prämienzahlenden zu erreichen. Gleichzeitig kann endlich die jahrelange Blockade im ambulanten Tarifwesen überwunden werden.

Bis Ende 2021 Eingabe der neuen Tarifstruktur
Die Arbeiten gehen dank der tatkräftigen Unterstützung der H+-Mitglieder zügig voran, sodass der vom Bundesrat vorgegebene Zeitplan eingehalten werden kann und bis Ende 2021 eine entsprechende Tarifstruktur vorliegt. Zu einem koordinierten Vorgehen haben sich im Übrigen alle Tarifpartner im Rahmen einer Absichtserklärung verpflichtet.
Bis Ende 2021 wird der Bundesrat somit einen Vorschlag einer auf Pauschalen basierenden neuen Tarifstruktur für den ambulanten Bereich erhalten. Die Tariforganisation zur Entwicklung solcher Pauschalen ist bereits gegründet: Solutions Tarifaires Suisses. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Tariffrieden, bildet aber auch die Basis für eine künftige nationale Tariforganisation für ambulante Tarife, in welcher Pauschalen und Einzelleistungstarife gemeinsam als sich ergänzende Tarifstrukturen koexistieren werden.

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