Vorerkrankungen mit dem höchsten Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf

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Eine Studie auf Grundlage der Daten von insgesamt rund 30 Millionen Versicherten in Deutschland hat eine Reihenfolge der Risikogruppen erstellt, die zeigt, welche Vorerkrankungen einen schweren Covid-19-Verlauf verursachen können.

Das Ziel der Studie war es, die Relevanz ausgewählter Vorerkrankungen für einen schweren COVID-19-Verlauf in der in Deutschland lebenden Bevölkerung empirisch zu überprüfen und Erkrankungen hinsichtlich ihres Risikos für einen schweren COVID-19-Verlauf zu ordnen. Die Analyseergebnisse sollen eine einfache, im Versorgungsalltag unkompliziert umsetzbare und dabei möglichst effektive Grundlage für die Impfrangfolge in der ambulanten ärztlichen Versorgung bilden.

Insgesamt wurden 93.857 Personen mit dokumentierter COVID-19-Erkrankung in die Analyse eingeschlossen. 4.728 (5 %) dieser Personen wurden im zeitlichen Zusammenhang mit der COVID-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt, beatmet und/oder verstarben. Fast ein Viertel der eingeschlossenen Personen (24,1 %; n = 22.573) war zwischen 25 und 39 Jahre alt. Die Häufigkeiten der Vorerkrankungen variierten zwischen 133 (0,1 %) Personen mit Down-Syndrom und 20.428 (21,8 %) Personen mit Bluthochdruck.

Reihenfolge der Risikogruppen

Mit einem Anteil schwerer COVID-19-Verläufe von 31,5 % (95 %-KI: 26,5 %–37,2 %) bildeten aktuell in Behandlung befindliche Personen mit hämatoonkologischen Erkrankungen die bedeutendste Risikogruppe. Dieser Risikogruppe wurde somit der höchste erwartete präventive Nutzen (Rang 1) hinsichtlich der COVID-19-Schutzimpfung zugewiesen.

Unter der Annahme der erfolgten Impfung der Personen auf Rang 1 ergab sich der höchste Anteil an schweren Verläufen in der nächsten Iteration für in Behandlung befindliche Personen mit metastasierenden, soliden onkologischen Erkrankungen (Anteil: 28,2 %; 95 %-KI: 23,7 %–35,3 %). Auch die Ränge 3 (Personen mit Demenz), 4 (aktuell nicht in Behandlung befindliche Personen mit metastasierendem Krebs) und 5 (Personen mit Herzinsuffizienz) wurden durch Erkrankungen definiert.

Unter den anschließend verbleibenden Personen erwies sich ein Alter zwischen 75 und 79 Jahren (Rang 6) als bedeutsamster Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe (Anteil: 19,8%; 95%- KI: 15,6%– 24,8%). Als weitere relevante Risikofaktoren traten insbesondere Dialyse (Rang 7), aktuell behandelte, solide, nicht-metastasierte Tumore (Rang 8), chronische Lebererkrankungen mit Zirrhose (Rang 9), Down-Syndrom (Rang 10), chronische Nierenerkrankungen (Rang 11), Zustand nach Organtransplantationen (Rang 12), interstitielle Lungenerkrankungen (Rang 14) und Herzrhythmusstörungen/Vorhofflimmern (Rang 15) auf.

Bei Anwendung der in der Abbildung dargestellten Rangfolge ergab sich für noch nicht geimpfte Personen im Alter von 65 –69 Jahren (Rang 16) ein absolutes Risiko von 9,8 % (95 %-KI: 6,3 %– 15,8 %) und für Personen im Alter von 60–64 Jahren (Rang 24) ein Schätzwert von 3,9 % (95 %-KI: 2,3 %–6,5 %).

Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/19_21.pdf?__blob=publicationFile

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