Am 26. und 27. Oktober 2026 findet in der Bundesstadt Bern das zweite Swiss Gender Medicine Symposium statt. Die Veranstaltung bringt Forschende, Fachpersonen aus Kliniken, Entscheidungsträger, Lehrende, Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, forschungsorientierten Stiftungen und Politik zusammen, um neueste Erkenntnisse, innovative Ansätze und zukunftsweisende Forschungsprojekte zur genderspezifischen Medizin zu diskutieren. Ziel ist es, das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin zu schärfen und den Dialog zwischen Expertinnen und Experten, Forschenden und Entscheidungsträgern zu fördern.
Gender Medicine als Forschungsfeld
Gender Medicine ist ein junges Teilgebiet der Humanmedizin, das sich mit biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern und dem Einfluss von Sex und Gender auf Gesundheit, Krankheit, Forschung, Behandlung und Prävention befasst. Lange Zeit galt der männliche Körper als Norm; Forschungsergebnisse, die überwiegend auf männlichen Probanden basierten, wurden unkritisch auf Frauen übertragen, wodurch geschlechtsspezifische Symptome und unterschiedliche Wirkungen von Medikamenten oftmals übersehen wurden. Dies betrifft sowohl Frauen als auch Männer und kann dazu führen, dass Krankheiten nicht korrekt diagnostiziert werden und Therapien nicht auf geschlechtsspezifische Bedürfnisse abgestimmt sind.
Nationales Forschungsprogramm NRP 83
Um diese Lücken systematisch zu adressieren, hat der Bundesrat 2023 das Nationale Forschungsprogramm NRP 83 «Gender Medicine and Health» bewilligt und 11 Millionen Franken für die Forschung bereitgestellt. Aus rund 140 eingereichten Projekten wurden 19 Vorhaben ausgewählt, die 2025 starten und eine evidenzbasierte Wissensgrundlage für die Berücksichtigung von Sex und Gender in Gesundheitsforschung, Medizin und Public Health schaffen sollen. An allen medizinischen Universitäten und Universitätsspitälern in der Schweiz laufen bereits breit abgestützte und interdisziplinäre Projekte, die Grundlagenforschung, klinische Forschung und Public Health verbinden.
Integration in Aus- und Weiterbildung
Die Erkenntnisse der Gender Medicine fliessen zunehmend in die medizinische Aus- und Weiterbildung ein. Alle medizinischen Fakultäten in der Schweiz haben Inhalte zur geschlechtsspezifischen Medizin in die Ausbildung der Humanmedizin integriert. Von 2021 bis 2024 wurde mit Unterstützung von swissuniversities das gemeinsame Projekt «Gender Education in Medicine for Switzerland» realisiert, das in der Webplattform GEMS mündete, auf der Lehrmaterialien zu Sex und Gender in der Humanmedizin ausgetauscht werden. Ergänzend dazu besteht ein CAS in genderspezifischer Medizin der Universitäten Bern und Zürich, der sich an Personen mit einem Masterabschluss in Medizin oder einem verwandten Gebiet richtet und die Grundlagen sowie Instrumente für eine gendergerechte Gesundheitsversorgung vermittelt.
Call for Posters gestartet
Die Scientific Program Committee lädt Forschende aller Karrierestufen ein, Poster für das Swiss Gender Medicine Symposium 2026 einzureichen. Gesucht werden Arbeiten aus Basic Science, Clinical Science sowie Public Health/Global Health, die den Einfluss von Geschlecht und/oder Gender in der Medizin beleuchten. Forschende aus Projekten des NRP 83 und anderen einschlägigen Programmen können ihre aktuellen Ergebnisse vorstellen und während der Poster Sessions mit Fachkolleginnen und Fachkollegen diskutieren.
Einreichung von Abstracts
Abstracts sollen kurz den Hintergrund, die Ziele, Methoden, (erwarteten) Ergebnisse sowie die Bedeutung der Studie beschreiben. Sie sind in englischer Sprache zu verfassen und auf 250 Wörter begrenzt. Die Einreichung erfolgt bis 30.06.2026 über die Plattform Oxford Abstracts; eine Benachrichtigung über Annahme oder Ablehnung erfolgt bis 31. Juli 2026. Für jede der drei Themenkategorien wird ein Posterpreis von 1’000 Franken vergeben.