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Pharmaindustrie kritisiert Bundesrat für neuen Biomedizin-Masterplan 2022 - 2026

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Der Bundesrat hat seinen Massnahmenkatalog des Masterplans 2022 – 2026 zur Stärkung der biomedizinischen Forschung und Technologie in der Schweiz vorgestellt. Interpharma, der Verband der forschenden Pharmafirmen, ist enttäuscht, dass keine umfassendere Strategie entwickelt wurde.

Interpharma begrüsst grundsätzlich die Weiterführung des Masterplans zur Stärkung der biomedizinischen Forschung und Technologie. Die Corona-Pandemie hätte die Wichtigkeit einer krisenresistenten, forschungsorientierten und produzierenden Pharmabranche im Land zu haben, eindrücklich aufgezeigt, so der Verband. Das internationale Ringen um die Pharmaforschung und -produktion hätte sich in der Krise verstärkt und der internationale Standortwettbewerb würde sich in Zukunft weiter verschärfen. Länder wie Dänemark oder das Vereinigte Königreich haben bereits umfassende Strategien entwickelt, um ihre Rahmenbedingungen zu verbessern und ihre Attraktivität für Pharmaunternehmen zu steigern.

Der Masterplan decke mit den Themen «Klinische Forschung», «Arzneimittel für neuartige Therapien» und der «Digitalisierung» zwar drei wichtige Schwerpunkte für einen wettbewerbsfähigen Innovationsplatz ab. Die Chance, eine umfassende Strategie zu entwickeln, wurde aber verpasst, beklagt Interpharma. Der Masterplan präsentiere nur lose Teilschritte. Die Massnahmen seien zu wenig ambitioniert, zu wenig konkret und eine klare und einheitliche Strategie sei nicht ersichtlich. René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma erklärt: «Heute ist die Schweiz einer der wichtigsten Forschungs- und Innovationsstandorte weltweit. Der internationale Standortwettbewerb hat sich im Zuge der Coronapandemie aber weiter verschärft und die Schweiz droht den Anschluss an führende Forschungs- und Wirtschaftsstandorte zu verlieren. Interpharma fordert deshalb eine übergeordnete Strategie zur Stärkung des Forschungs- und Innovationsstandortes Schweiz zum Wohle der Schweizer Bevölkerung.»

Vorgeschlagene Massnahmen genügen nicht

Der Bereich «klinische Forschung» deckte zwar viele wichtige Themen ab. Die vorgestellten Massnahmen seien aber nur vage formuliert und angesichts der internationalen Entwicklung zu wenig ambitioniert. Der Rückgang der klinischen Versuche in der Schweiz in den letzten Jahren zeigt, dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe. Um den Forschungsplatz Schweiz zu stärken, brauche es zwingend eine beschleunigte Bewilligung von klinischen Studien für Produkte mit hohem medizinischem Bedarf.

Die Massnahmen im Bereich «Arzneimittel für neuartige Therapien» genügen den Ansprüchen eines Masterplans nicht, schreibt der Verband. Sie zielen auf eine reine Kostenreduktion ab und stärken in keiner Weise den biotechnologischen Forschungsplatz. Statt auf die Kosten, sollten die Massnahmen auf Patientinnen und Patienten und ihren Zugang zu neuen innovativen Therapien und Medikamenten fokussieren. Hierzu hat Interpharma im Mai mit dem rückvergüteten Innovationszugang eine Lösung präsentiert.

Mit der «Digitalisierung» nehme der Masterplan eines der wichtigsten Themen auf. Die Forschung wird in Zukunft dort stattfinden, wo die Digitalisierung den Einsatz neuer Technologien ermöglicht. Die Schweiz ist aber schon heute im internationalen Standortwettbewerb abgehängt. Trotz dieser enormen Dringlichkeit konnte der Bundesrat bisher keine umfassende Strategie zum Aufbau eines Gesundheitsdatenökosystems vorlegen, obwohl gute Ansätze im Bericht auf das Postulat 15.4225 “Bessere Nutzung von Gesundheitsdaten für eine qualitativ hochstehende und effiziente Gesundheitsversorgung” sowie dem Richtungsentscheid des Bundesrats zum EPD erkennbar sind. Mit der Roadmap «Digitales Gesundheitsdatenökosystem» zeigte Interpharma auf, was es zu einer faktenbasierten und konstruktiven Diskussion rund um das Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens braucht. Dazu gehört ein einheitlicher rechtlicher Rahmen, der über ein international anschlussfähiges Gesundheitsdatengesetz hergestellt werden könnte.

Pharmastrategie 2030 bietet Antworten

Mit der Pharmastrategie «Pharmastandort 2030» hat Interpharma gezeigt, in welchen Bereichen es dringend Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen braucht, damit die Schweiz auch in Zukunft einer der bedeutendsten Pharmastandorte der Welt bleibt. Der Bundesrat hätte noch dieses Jahr die Gelegenheit, in Umsetzung des Postulats Schmid 20.3752 weitere Antworten und Massnahmen vorzustellen, wie der Pharma- und Biotech-, Forschungs- und Unternehmensstandort Schweiz gesichert und gestärkt werden kann

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