Mit der Einführung einer gemeinsamen EPD-Plattform setzt die Stammgemeinschaft Cara ein starkes Zeichen für die koordinierte Weiterentwicklung der digitalen Gesundheitsinfrastruktur in der Schweiz. Durch die Konsolidierung der bisherigen Infrastrukturen von Cara, Emedo und Esanita sowie den Beitritt der AD Swiss EPD Gemeinschaft im Februar 2026 ist eine leistungsfähige, skalierbare und zukunftssichere Plattform entstanden. Das Public‑Private‑Partnership‑Konglomerat vereint Akteure aus Kantonen, Gesundheitsversorgung und Technologie und bildet die derzeit grösste EPD‑Stammgemeinschaft des Landes.
Die Plattform vereint nun rund 80 Prozent der am EPD teilnehmenden Leistungserbringer und schafft die Basis für interoperable, patientenzentrierte Gesundheitsdatenräume. Ziel ist es, die Komplexität im Betrieb zu reduzieren, redundante Strukturen abzubauen und durch gebündelte Ressourcen Skaleneffekte zu erzielen. Gleichzeitig stärkt der Zusammenschluss die koordinierte Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsdienstleistern, Kantonen und Technologiepartnern.
Technologische Grundlage mit Intersystems Iris for Health und Healthshare
Technologisch basiert die neue Plattform auf Intersystems Iris for Health und Intersystems Healthshare. Die Lösungen bilden die zertifizierte Grundlage für den föderierten Austausch von Gesundheitsdaten über Kantons- und Institutionsgrenzen hinweg und unterstützen verbindliche Interoperabilitätsstandards sowie strukturierte, standardisierte Daten. Durch die native Unterstützung von HL7 FHIR, gängigen Terminologien und offenen Schnittstellen ist die Plattform auf zukünftige regulatorische Entwicklungen ausgelegt – etwa den Übergang zum elektronischen Gesundheitsdossier (E‑GD) ab 2030, die nationale Initiative DigiSanté oder den Swiss Health Data Space.
«Mit der gemeinsamen Plattform ist Cara nicht nur für die aktuellen Anforderungen des EPD bestens gerüstet. InterSystems stellt hier das digitale Rückgrat, auf dem interoperable Gesundheitsdatenräume, strukturierte Sekundärnutzung und neue digitale Versorgungsmodelle nachhaltig aufgebaut werden können», erklärt Jochen Scharafin, Sales Manager bei InterSystems.
Plattform für künftige Versorgungsmodelle und Sekundärnutzung
Die technologische Basis ist darauf ausgelegt, das EPD von einer vorwiegend dokumentenorientierten Ablage hin zu einer strukturierten, longitudinalen Dateninfrastruktur weiterzuentwickeln. Damit schafft Cara die Voraussetzung, Gesundheitsdaten über die Primärversorgung hinaus für neue Anwendungen zu nutzen – etwa für Analysen zur Bevölkerungsgesundheit, strukturierte Sekundärdatennutzung oder KI‑gestützte Entscheidungsunterstützung.
Die eingesetzten InterSystems‑Lösungen sind international in grossen Gesundheitsnetzwerken im Einsatz, etwa im New Yorker Netzwerk Healthix, das einrichtungsübergreifende, longitudinale Datenbestände für Versorgungsanalysen und KI‑Anwendungen bereitstellt. Erfahrungen aus diesen Projekten in den Bereichen Skalierbarkeit, Sicherheit, Governance und Cloud‑Betrieb fliessen direkt in die Schweizer Plattform ein.
Partner Bint und Verband Cara bringen Schweizer E‑Health‑Expertise ein
Die Plattform wird gemeinsam mit der Bint GmbH als Technologie‑ und Implementierungspartner weiterentwickelt und betrieben. Bint realisiert seit 2005 Plattformen für Informationsaustausch und digitale Kooperation im Gesundheitswesen und bietet mit Bintmed eine Lösungspalette rund um das Schweizer EPD/EGD.
Der Verband Cara bündelt die Kräfte der Kantone Freiburg, Genf, Jura, Wallis und Waadt und stellt der Bevölkerung sowie den Leistungserbringern das elektronische Patientendossier und weitere digitale Gesundheitsdienste zur Verfügung. Dazu gehören etwa ein gemeinsamer Versorgungsplan für chronisch oder komplex erkrankte Patientinnen und Patienten sowie ein gemeinsamer Medikationsplan, der eine stets aktuelle Übersicht über die medikamentöse Behandlung ermöglichen soll. Insgesamt umfasst die Stammgemeinschaft rund 6’000 Leistungserbringer, darunter Universitätsspitäler, Kantons- und Regionalspitäler, Privatkliniken, Pflegeheime, Praxen, Apotheken und weitere ambulante Fachpersonen.
«Mit der konsolidierten Plattform wurde ein wichtiger Schritt hin zu einer zentraleren EPD‑Infrastruktur mit diversen Synergien gemacht. Sie bietet die notwendige Stabilität im Betrieb, bietet einen grossen Funktionsvorrat und gewährleistet zudem die Flexibilität, künftige Anforderungen und Innovationen rasch umzusetzen», so Thomas Marko, Gründer und Geschäftsführer der Bint GmbH.
Patrice Hof, Generalsekretär des Verbands Cara, ergänzt: «Digitalisierung im Gesundheitswesen funktioniert nur auf Basis von Vertrauen, Respekt und echter Zusammenarbeit. Mit der konsolidierten Plattform legen wir das Fundament für eine nationale Infrastruktur, die Interoperabilität ermöglicht, Primärsysteme einbindet und den Nutzen für Patientinnen und Patienten konsequent in den Mittelpunkt stellt.»